Schloss Hartheim

Die Vernichtungsanstalt Hartheim mit rauchendem Schornstein; Foto: Karl Schumann.

Der Zentraldienststelle der Aktion "T4" in Berlin unterstanden sechs auf das Deutsche Reich verteilte Euthanasieanstalten: Grafeneck bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb, Brandenburg an der Havel, Bernburg an der Saale, Sonnenstein bei Pirna in Sachsen, Hadamar in Hessen und als einzige in Österreich gelegene Einrichtung, Hartheim in der Nähe von Linz.
Die Tötungsanstalten wurden in bestehenden Heil- und Pflegeanstalten eingerichtet. 

Schloss Hartheim war Ende des 19. Jahrhunderts dem Oberösterreichischen Landes-Wohltätigkeitsverein als Schenkung übereignet worden. Zum 50. Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef errichtete der Verein  in dem Renaissancebau ein Heim für "Schwach-  und Blödsinnige, Cretinöse und Idioten", deren Betreuung die Barmherzigen Schwestern übernahmen. Ein Jahr nach dem  "Anschluss" wurde der Wohltätigkeitsverein enteignet und alles Barvermögen sowie Schloss Hartheim samt Inventar dem Reichsgau Oberdonau übertragen. Der Pflegebetrieb blieb vorerst noch bis März 1940 aufrecht. das gesamte Barvermögen sowie Schloss Hartheim samt Inventar dem Reichsgau Oberdonau übertragen. Der Pflegebetrieb blieb vorerst noch bis März 1940 aufrecht. Als zu diesem Zeitpunkt 200 Pfleglinge die Anstalt verlassen mussten, konnte kurz darauf das Schloss im vollkommen leeren Zustand durch die Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege Berlin übernommen werden.

Unverzüglich begannen die Umbauarbeiten zu einer Tötungsanstalt für die "Ostmark", Bayern und die Untersteiermark (Teilgebiete des heutigen Slowenien). Innerhalb weniger Woche wurden die notwendigen Adaptierungsarbeiten durchgeführt und eine Gaskammer sowie ein Krematorium eingebaut. Die ärztliche Leitung übernahm der Linzer Nervenarzt Dr. Rudolf Lonauer. Er war gleichzeitig auch Direktor der Linzer Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart, die als Durchgangsanstalt für Transporte nach Hartheim diente. Als Stellvertreter fungierte der aus dem Elsass stammende Dr. Georg Renno.  In die Kompetenz der beiden Mediziner fielen die Begutachtung der Opfer und die Bestimmung einer möglichst plausiblen Todesursache. Sie waren aber auch für die Tötungen selbst zuständig, da das als Tötungsmittel verwendete Kohlenmonoxid von einem Arzt in die Gaskammer eingeleitet werden musste.

Der große und umfangreiche  Bereich der Verwaltung wurde von einem Büroleiter der Anstalt organisiert.  Wie in den meisten anderen Tötungsanstalten übernahm auch in Hartheim ein Polizeibeamter diese Funktion.  Zum Aufgabenbereich von Christian Wirth, einem Polizeioffizier aus Württemberg, gehörte das Sonderstandesamt, das den Tod der Opfer zu beurkunden hatte, der Versand der Urnen, sowie der Schriftverkehr mit den Abgabeanstalten und den Angehörigen der Opfer. Drüber hinaus organisierte er alle Maßnahmen zur systematischen Verschleierung und Irreführung, für die er ein System des regelmäßigen Datenaustausches zwischen den einzelnen Tötungsanstalten entwickelt hatte.

Neben zahlreichen Bürokräften und Pflegepersonal gehörten auch Fotografen, mehrere Autobuschauffeure und die so genannten "Brenner", die im Schichtbetrieb den Verbrennungsofen zu bedienen hatten, zum Personal der Anstalt. Insgesamt waren bis zu 70 Personen in Hartheim beschäftigt.

Anfang Mai 1940 traf der erste Transport in Hartheim ein. Es handelte sich um PatientInnen aus Niedernhart, unter ihnen auch Pfleglinge aus der ehemals im Schloss untergebrachten "Schwachsinnigenanstalt". Wenig später brachte man mehrere Kinder aus der Caritasanstalt St. Anton in Bruck an der Glocknerstraße nach Hartheim. Die weiteren Transporte aus Salzburg folgten im Frühjahr 1941.

Bis zum Euthanasiestopp im  August  1941 wurden in der  Tötungsanstalt  mehr als 18.000 Menschen ermordet. Diese Zahl geht aus einem 39-seitigen Heft hervor, das nach seinem Fundort als "Hartheimer Statistik" bekannt wurde und im Jahr 1942 entstanden ist. 

In Hartheim ging auch nach der Einstellung der Aktion "T4" das Morden weiter. Die nächsten Opfer waren KZ-Häftlinge aus Mauthausen im Rahmen der Aktion "14f13", möglicherweise wurden kurz vor dem Ende des NS-Regimes auch noch "OstarbeiterInnen"  ermordet. Im Herbst 1944 wurde die Tötungsanstalt Hartheim aufgelöst und mit der Beseitigung aller belastenden Spuren begonnen.