Verantwortliche Ärzte
Verantwortlich für die Durchführung der Aktion "T4" waren der Direktor der Salzburger Landesheilanstalt, Dr. Leo Wolfer, und sein Sohn Heinrich, der Leiter der Männer- und der "Erbbiologischen-Abteilung". Laut Augenzeugenberichten verließen beide kurz vor Eintreffen der Autobusse das Anstaltsgelände, um nicht mit den Abtransporten in einem persönlichen Zusammenhang gesehen zu werden.
DIREKTOR DR. LEO WOLFER
Über Direktor Wolfer gab der Leiter der Frauenabteilung, Dr. Hans Gföllner, nach Kriegsende zu Protokoll, dass er nicht unbedingt ein aktiver Betreiber der Vernichtungsaktion gewesen sei. "Er hatte lediglich nicht den Mut […] gegen vorgesetzte Stellen, namentlich Parteistellen, einen energischen ärztlichen Standpunkt einzunehmen, was er allerdings mindestens mit einer Pensionierung hätte quittieren müssen" (Quelle: DÖW).
In erster Linie war Direktor Wolfer um die Geheimhaltung der Aktion bemüht. So drohte er wiederholt Untergebenen im Falle von Indiskretionen mit der Gestapo. Ähnlich verfuhr er mit aufgebrachten Angehörigen, die ihn wegen der unerwarteten Todesmeldungen zur Rede stellten. Unmittelbar nach den Transporten bat Dr. Leo Wolfer den Reichsstatthalter um die unauffällige Weiterleitung der sich plötzlich häufenden Austrittsanzeigen, um allzu großes Aufsehen beim zuständigen Gericht zu vermeiden.
DR. HEINRICH WOLFER
Im Gegensatz zu seinem im Herbst 1942 verstorbenen Vater war Dr. Heinrich Wolfer ein fanatischer Befürworter der "NS-Euthanasie". Ein damaliger Kollege meinte, "dass dieser Arzt den Willen hatte, die an ihn ergangenen Weisungen oder Befehle nicht nur 100%, sondern möglichst 500% auszuführen" (Quelle: LG Salzburg). Er soll sich sogar mit Eifer daran gegangen sein, Pflegeheime und Armenhäuser im Land Salzburg nach weiteren Opfern zu durchsuchen.
Als Leiter der "Erbbiologischen Abteilung“ erstellte Wolfer jun. über die PatientInnen der Salzburger Heilanstalt so genannte "erbbiologische Gutachten". Dazu fertigte er umfangreiche "Sippenbögen" an, die Aufschluss über die Verbreitung von Erbkrankheiten in der Familie geben sollten und weit über übliche Familienanamnesen hinausgingen. Bei Verdacht auf eine Erbkrankheit wurde Anzeige erstattet. Die Erbbiologische Abteilung war so am Vollzug des "Gesetzes zu Verhütung erbkranken Nachwuchses" maßgeblich beteiligt. In einigen Fällen wurde die Zwangssterilisierung direkt beim Erbgesundheitsgericht beantragt.
Neben seiner Tätigkeit als "Erbarzt" versuchte Wolfer auch "moderne" Therapiemethoden in der Salzburger Heilanstalt umzusetzen. Mit der Ende der 30-er Jahre entwickelten Elektro-Krampf-Therapie schien eine neue Möglichkeit der Behandlung psychischer Erkrankungen gegeben. Damit passt Dr. Heinrich Wolfer, Jahrgang 1911, sehr gut in das Bild vieler junger, karriereorientierter NS-Psychiater: Beteiligung an der Vernichtung der Unheilbaren einerseits, "aktive Therapie" für die Heilbaren andererseits.
DR- HEINRICH WOLFER - STATIONEN EINER KARRIERE:
- 1929 – 1931 Mitglied der Heimwehr
- 1930 Reifeprüfung in Salzburg
- 1930 – 1936 Studium der Medizin an der Uni Innsbruck
- 1931 Eintritt in die NSDAP
- 1932 Mitglied der SA
- 1936 Volontär am Salzburger Landeskrankenhaus
- 1937 – 1938 Assistenzarzt in Warstein/Westfalen
- 1938 – 1940 Assistenzarzt an der Heilanstalt Graz-Feldhof
NSDAP-Ortsgruppenleiter in Graz-Straß - 1940 – 1943 "Erbarzt" an der Landesheilanstalt Salzburg
- 1940 freiwilliger Übertritt in die SS (SS-Sanitäts
Oberstaffel 76) - 1942 Gemeinschaftsleiter der NSDAP Ortsgruppe Liefering
- 1943 Abstellung an das Gesundheitsamt Salzburg-
Stadt, Gauhauptstellenleiter des Rassenpolitischen
Amtes, Abteilung: Praktische Bevölkerungspolitik,
Referent für Rassefragen am Gauamt für
Volksgesundheit, Gebietsarzt der HJ in Salzburg,
Beförderung zum SS-Untersturmführer, Verleihung:
Kriegkreuz II. Klasse ohne Schwerter - 1944 Meldung zur Waffen-SS, 11. SS-Freiwilligen-
Panzergrenadierdivision "Nordland" -
Sanitätsabteilung 11 in Stettin (heute
Szczecin/Polen) - 1945 im Jänner Spezialausbildung an der SS-
Ärztlichenakademie in Graz, Rückkehr nach
Stettin, im April als vermisst gemeldet, gefallen in
Berlin-Mitte am 2. Mai, dort begraben auf einem von
der SS zerstörten alten jüdischen Friedhof.

