Konradinum Eugendorf

Das Konradinum in einer alten Ansicht; Quelle: Konradinum.

„ES KAM NIEMAND MEHR ZURÜCK!"

Nachdem sich die Kongregation der Barmherzigen Schwestern bereit erklärt hatte „das erforderliche Warte- und Pflegepersonal für die Idiotenanstalt in Eugendorf beizustellen“ konnte diese Einrichtung im Jänner 1907 eröffnet werden. In Anlehnung an den  im Jahr zuvor verstorbenen Pfarrer Konrad Seyde, der die Liegenschaft dem Land zweckbestimmt überlassen hatte, erhielt sie den Namen "Konradinum".

Kurz nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich 1938, 31 Jahre nach der Gründung der Anstalt, lösten die neuen Machthaber das "Konradinum" auf. Aufzeichnungen darüber und über die genaue Zahl der zuletzt untergebrachten Behinderten liegen nicht vor. Folgendes lässt sich rekonstruieren: Zehn Kinder nahm vorübergehend die Caritasanstalt St. Anton in Bruck an der Glocknerstraße auf.  20 Personen wurden von den Schwestern in das Vinzentinerinnenkloster Mariathal bei Kramsach in Tirol übersiedelt. Dort war die Kongregation gezwungen worden, die Volksschule und das Heim für weibliche Waisen zu schließen und stattdessen geistig schwerstbehinderte und voll pflegebedürftige Kinder und Erwachsene aufzunehmen. Weitere 13 Pfleglinge mussten im Herbst 1938 auf Anweisung des Landrates gemeinsam mit zwei Schwestern nach Schernberg verlegt werden. Das Konradinum war somit menschenleer und lokale NS-Organisationen konnten in die Räumlichkeiten einziehen.

Im April 1939 überstellten die Barmherzigen Schwestern die meisten der Kinder und Jugendlichen, die von Eugendorf nach Schernberg oder St. Anton verlegt worden waren, nach Mariathal. Auch aus der Caritasanstalt St. Anton kamen ein halbes Jahr später fünf Kinder dorthin. Insgesamt beherbergte das Haus 61 Personen. Außer den Pfleglingen aus dem Konradinum und St. Anton waren ebensolche aus den Tiroler Anstalten Fügen und Mils in Mariathal untergebracht. Sie alle wurden am 23. Mai 1941 in zwei Autobusse verladen, nach Hartheim abtransportiert und dort ermordet.

Einige Kinder aus dem Konradinum konnten vor der Deportation bewahrt werden. Laut Erzählung der seinerzeitigen Oberin der Anstalt, Schwester Cleta Unterberger, fanden sie bei Pongauer Familien in der Umgebung von Schwarzach Unterschlupf.